ich bin zuhause im Wort... 

 

aufbrechen ins leben

nein-
ich nehm ihn dir nicht den tod
ich gesell dir das leben dazu

die kastanie die sich öffnet
weil sie weiss
dass das ende der schalenzeit
nicht das ende des lebens ist
sondern der anfang
dass der tod das tor ist
dass das tor die tür ist
dass türen zu neuem einladen
dass einladungen möglichkeiten sind
dass möglichkeiten befreiung bedeuten
und dass zur befreiung der tod gehört
weil altes aufbrechen muss
aufbrechen ins leben
damit wesentliches werden kann


nein-
ich nehm ihn dir nicht den tod
ich gesell dir das leben dazu

weil der tod nicht das ende ist
sondern der anfang
der anfang dessen was werden will
das satte land hinter der wüste
der hauptteil der auf den prolog folgt
der baum der aus der kastanienfrucht erwächst
der diamant der aus der unterwelt
ans licht gelangt
eisenhans der aus dem käfig tritt


trag ihn bei dir den tod
im gestirnten himmel deiner seele
bewahre ihn dir als ´positionslampe`
trotz seiner dunklen gestalt
bewahre ihn dir
mit all den türen und möglichkeiten
die sich hinter seiner
verneinenden fassade verbergen
bewahre ihn in dir
als potential zur entwicklung
als erlösung aus dem versteck
als falltür in die unterwelt
die richtung adlerhöhen führt


trag ihn bei dir den tod
umarme ihn
tanz mit ihm
gib dich ihm hin
feiere seine dunkle seite-
nicht schmerzlich nicht angstvoll
sondern in tiefer gewissheit
um die leuchtenden schätze
seiner heilende wandlungskraft.


© birgit mangold

 

... im Wort, das bewohnbar ist.